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TT – Urlaub an der Heimatfront

Ich habe mir eine Woche Auszeit genommen. Eine Woche Heimaturlaub. Zurück zu den Anfängen, zurück zur Familie. Endlich ein bisschen Zeit um alte Freunde zu treffen, neue Bücher zu lesen und endlich auch mich selber wieder zu finden.

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Ich bin in einer kleinen Stadt bei Hannover großgeworden. Nach der Schule bin ich für mein Studium nach Hamburg gezogen – ich wollte unbedingt in eine Großstadt. Wollte feiern, alle Möglichkeiten haben, die tollsten Leute kennenlernen und mit der U-Bahn zur Uni fahren. Zurück zu meiner Familie zu kommen ist deshalb immer nicht nur eine Reise ‘aufs Land’ sondern auch eine Verkleinerung des Fokus’.

Man tritt auf das Feld hinaus und merkt wie sehr einem die klare Luft gefehlt hat. Wie sehr man es vermisst weit über die Felder und die Natur zu schauen statt den Blick am Gebäude auf der anderen Straßenseite enden zu lassen. Man geht altbekannte Wege in neuen Schuhen. Stolz zum vorzeigen mitgebracht, sind die mittlerweile mit Schlamm verklebt. Der Wind weht einem um die Ohren und trägt Kindergeschrei und Vogelgezwitscher mit sich. In der Ferne hört man leise das Rauschen der Autobahn, das fast ein bisschen wie Meeresrauschen klingt.

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Die Sonne verschwindet hinter grauen Schleierwolken und irgendwann auch dem Horizont, während man am Haus der Grundschullehrerin vorbeigeht. Irgendwann zwischen dem Sprung über den Graben und dem Hund, der seine Schnauze in einen Matschhügel drückt, legt man die Eitelkeit ab. Die Ohren dürfen rot sein, die Hände ohne Ringe bleiben.

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Bodenständigkeit bekommt wieder eine attraktive Note. Nicht abgehoben sondern realistisch scheinen sich die Dinge auf einmal wieder zu präsentieren. Der Fokus wird weiter und klarer, neue Perspektiven in festgefahrenen Situationen zeigen sich auf. Der Wind scheint abgestandene, quälende und bittere Gedanken aus dem Kopf zu blasen. Die Kälte die heiß gelaufene Stress- und ‘ich muss’-Maschine abzukühlen.

Die letzten Meter der Straße zum Haus darf der Hund frei laufen. Mit jedem Schritt tritt das Haus mehr zwischen den Nachbarn hervor. Erinnerungen und das Gefühl von Geborgenheit treten aus dem Halbdunkel. Die Antworten aus den verschiedenen Räumen auf das in das Haus gerufene Hallo empfangen einen mit wohliger Wärme zurück daheim.

– MM.

P.S.: Ein Post auf deutsch. Warum? Weil es für mich Sinn ergibt über meine Heimat auf deutsch zu schreiben.



One response to “TT – Urlaub an der Heimatfront”

  1. Katja says:

    Wie schön 🙂

    liebe Grüße,
    Katja

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